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Konzertbericht: Awolnation in Hamburg

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Do, 03.05.2018 - 16:09
Mit dem dritten Album im Rücken kehren Awolnation nach Europa zurück. Das scheint Aaron Bruno eine große Portion Selbstbewusstsein zu verleihen.

Ausverkauft ist das Uebel & Gefährlich am heutigen Abend nicht, gut gefüllt ist der Club im vierten Stock des Hamburger Musikbunkers aber allemal. Auch mit ihrem mittlerweile dritten Werk „Here Come The Runts“ scheinen Awolnation ihre Fans also weiter bei der Stange halten zu können, kein Wunder, ist die Platte doch auch in diesem Akt wieder ein gelungener Mix zwischen elektronisch pumpenden Epic-Hymnen und wesentlich bodenständigeren Gitarren-Songs. Die Vorzeichen standen also durchaus positiv.

Auch Eliza And The Bear lassen sich von jener guten Stimmung anstecken. Der poppige Indierock der Londoner ist live relativ schnörkellos, verbreitet aber durchweg gute Laune – zumindest in großen Teilen des Publikums. Einige Gäste nutzen den Voract nämlich lieber, um angeregt zu quasseln, was angesichts des zurückhaltenden PA-Sounds auch kein größeres Problem darstellt. Besonders angetan scheinen die umstehenden Gäste davon nicht zu sein, aber man ist ja schließlich höflich und vielleicht auch zu schüchtern, um klärend einzuschreiten.

Eliza And The Bear

Eliza And The Bear

Schüchtern ist Aaron Bruno absolut nicht. Im Gegenteil, der Frontmann und Mastermind hinter Awolnation turnt auf der Bühne, als stünde er unter konsequenten Stromstößen. Das Intro und Titeltrack der neuen Platte „Here Come The Runts“ wirkt live mindestens so episch wie die Studioversion. Dabei sucht Bruno immer wieder die Nähe zum Publikum und versprüht scheinbar ungebremste Energie, während sich der Rest seiner Band eher im Hintergrund hält. Das Publikum nimmt das dankend entgegen und saugt jeden der saftigen Bässe auf, die heute soundtechnisch allererste Garde sind. So turnt Bruno fast ohne Pause durch einen bunten Querschnitt seiner drei Alben und erreicht damit fast einen derart straighten Setlist-Duktus wie System Of A Down, die es fertigbringen, in ein 90-Minuten-Set beinahe 30 Songs zu pressen. Das könnten Awolnation vielleicht auch fertigbringen, wenn ihre Songs nicht erstens deutlich ausufernder wären und zweitens das Set nicht wesentlich kürzer wäre. Nur 70 Minuten brauchen Bruno und Konsorten für das Abschließen ihres Programms, nachdem der obligatorische Schluss-Hit „Sail“ für den finalen Stimmungshöhepunkt sorgt. Richtig übel nimmt der Band die kurze Spielzeit niemand. Und doch: Wären Awolnation etwas weniger schnell durch ihre Songs gejagt, hätte man die vielen großen Momente des Abends wohl besser in Erinnerung behalten.