Warum (die alten) Blink-182 so wichtig sind!

Blink-182 waren die wichtigste Band im Pop-Punk und die Alben zwischen 1997 und 2003 zählen zu den besten Alben des Genres. Das wissen eigentlich alle, aber ich wollte trotzdem über die Band reden. Einfach mal so.
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Lucio und ich sind ja quasi die Boomer des Redaktion und da ich seit langer Zeit mit merkwürdigen Kolumnen auffalle, bin ich ja so eine Art Franz Josef Wagner von Album der Woche. Also kann ich auch eine völlig unnötige Kolumne über Blink-182 schreiben, oder?

Wie ich auf diese Idee kam? Gute Frage. Eigentlich war es Finn McKenty, der zu meinen LieblingsYouTubern zählt, der ein Video über die Band gemacht hat. Das hat eine Liebe wieder entfacht. Ich bin alt genug um sagen zu können, dass Blink-182 die Musik meiner Jugend waren. Also die Alben kamen raus, als ich alt genug war, um sie zu mögen. Einige Songs, wie "I Miss You", habe ich immer gehört, aber mir ist in den letzten Monaten mal aufgefallen, wie wichtig die Bandmitglieder wirklich sind und ich möchte mich erklären.

Eigentlich muss ich Nichts zu der Band sagen. Wer Pop-Punk mag, kennt Blink-182. Wer Pop-Punk scheiße findet kennst sie auch, aber der verachtet die Band. Gatekeeper erklären gerne, dass Pop-Punk und Blink-182 gar kein Punk sind. Das ist schön, interessiert aber keinen einzigen Menschen. An dieser Stelle möchte ich gerne eine andere Pop-Punk-Band zitieren. Simple Plan hatten einen echt guten Song mit dem passenden Titel "Shut Up!". So. Kein Mensch interessiert sich dafür, was DU als Punk definierst. 

Die Alben "Dude Ranch, "Enema Of The State", "Take Off Your Pants And Jacket" und "Blink-182" sind einfach nur gute Alben. Die Band klingt so, wie ich mich in meiner Jugend gefühlt habe. Mal nachdenklich, aber meist eher albern und immer für einen Penis-Witz zu haben. Nun mag es Menschen geben, die sagen, dass die Jungs irgendwann zu alt dafür geworden sind und es peinlich sei, aber ich lache bis heute über sowas, warum sollten die es nicht auch tun? Gut, ich finde auch YouTube-Kacke witzig. Egal. Vor allem auf dem letzten guten Album, "Blink-182", gab es einige düstere Songs und auch das hat die Band glaubwürdig rübergebracht. Diese Gratwanderung zwischen Blödelei, wie beispielsweise "Happy Holidays, You Bastard", und ernsten Themen, wie hier bei "Stay Together For The Kids", auf einem Album, macht die Band so besonders. Du konntest und kannst als Teenager das Album hören und Spaß haben, aber eben auch einfach mal heulen. Das geht bis heute. Die Songs sind meist gut gealtert und auch wenn ich über die Witze, die über Toms Stimme und Aussprache gemacht werden, lache, mag ich seine Stimme. Sie kann in den richtigen Momenten sehr verletzlich klingen und ist eben nicht nur für witziges Gegröhle gut.

 

Jahrelang habe ich die Nebenprojekte in den Blink-182-Anspielungen des YouTube-Kanals "FunHaus" gehört, meist von Adam, der auch immer mal über Nine Inch Nails gesprochen hat, später aber rausgeflogen ist, nachdem rauskam, dass er seinen Kollegen auf die Tastaturen ejakuliert hat. Er hatte offensichtlich Probleme, aber einen guten Musikgeschmack. Aber um ihn soll es ja auch nicht gehen.

Ich habe mich kaum mit den Nebenprojekten der Band beschäftigt. Ich habe das erste Angels And Airwaves-Album, aber mehr auch nicht. Tom DeLonge, der offensichtlich für Blink-182 essentiell ist, denn die Alben ohne ihn sind halt nicht geil, hatte die Band ja verlassen um Angels And Airwaves zu gründen und ist seitdem ganz erfolgreich damit. Sein Drummer ist übrigens Ilan Rubin, der Tour-Drummer von Nine Inch Nails, aber das nur nebenbei. Die Band macht sehr entspannte, atmosphärische, teils episch klingende Musik, die wenig von dem Spaß inne hat, den Tom bei Blink-182 ausgelebt, aber vermutlich viel mit seiner Obsession mit UFOs zu tun hat. Stellt euch 30 Seconds To Mars mit normal langen Musikvideos, schnelleren Gitarren und einer echten Leidenschaft für das All vor. So ähnlich klingt es. Nicht unbedingt meins, aber objektiv gut gemacht und mit Recht so erfolgreich. 

Es gab noch +44, die Band von Mark Hoppus und Travis Barker, die ganz nett war, aber mit der ich nie richtig warm wurde. Ist eigentlich wie die aktuellen Blink-182 nur ohne Matt Skiba. 

Ich wusste von Box Car Racer, der Post-Hardcore-Band von Tom und Travis, aber habe nie reingehört. Großer Fehler wie ich gerade merke, denn das Album versaut mir gerade meine Spotify-Stats und die Vinyl war nicht einfach und günstig zu finden. Aber wer Blink-182 in nachdenklicher und etwas wütender mag, sollte da definitiv reinhören. Ich persönlich bin jedenfalls verliebt, wenn auch 20 Jahre zu spät. 

Das größte Problem sind Mark und Travis, die sich weigern Blink-182 in Ruhe zu lassen und krampfhaft versuchen, den guten Namen in den Dreck zu ziehen. Matt Skiba mag ein guter Musiker sein, aber er ist eben nicht Tom DeLonge und das ist auf den Alben spürbar. Ich verstehe die zwei. Es ist wie die große Liebe und sie wollen nicht loslassen. Aber Jungs, sie ist schon längst weg. Natürlich machen sie gute Musik, aber hätten Mark und Travis einfach eine neue Band gegründet und mit Matt Skiba die selbe Musik wie jetzt gemacht, wäre das völlig okay gewesen. Aber so hat es immer einen merkwürdigen Beigeschmack und nicht wenige Menschen vermissen Tom. Das tut mir auch für Matt sehr leid, der sich vermutlich ständig irgendwelche dummen Kommentare durchlesen muss. Immer wieder taucht dieser Text von "The Hard Times" in meinem Feed auf und ich muss jedes Mal zustimmend schmunzeln. Aber Blink-182 ist eben nicht mehr die Band, die Ende der 90er und Anfang der 2000er richtig gute Alben rausgebracht hat. Ehrlicherweise muss auch gesagt werden, dass das letzte Album mit Tom, "Neighborhoods", auch nicht so gut war. Die unbestimmte Pause, die sie 2005 angekündigt haben, hätte einfach das Ende sein sollen.

Wäre Blink-182 ein Pferd im wilden Westen, hätte der Cowboy es schon längst erschossen, denn es lahmt seit langer Zeit. 

Die Band hatte Alles erreicht. Ich meine, die hatten einen Song mit Robert Smith von The Cure! Welche belächelte Pop-Punk-Band kann das von sich behaupten? Aber danach ging es eben auch nur noch abwärts.

Warum hab ich das jetzt geschrieben? Vielleicht weil ich alt werde und mich in eine Zeit zurücksehne, als mein größtes Problem war, wo ich am Wochenende saufen gehe und ansonsten recht unbeschwert gelebt habe und eigentlich nur Scheiße gebaut hab und die Musik mich daran erinnert? Vielleicht. Aber hauptsächlich, weil meine Freundin die Band verachtet und ich denke, dass es viele Menschen gibt, die das tun. Zu Unrecht. Auch abseits der 2000er Teeniekomödien wie "American Pie", war Pop-Punk der Soundtrack einer Generation, so wie es jetzt eben die 187 Straßenbande ist. Auch nur fünf mehr. Und ich will das jetzt gar nicht boomer-mäßig drüber herziehen. In meiner Jugend gab es auch nicht nur Emo, Metalcore und eben Blink-182, sondern auch genug Leute, die Sido, Bushido und Bass Sultan Hengzt gehört haben und jetzt ihr Leben mehr im Griff haben, als ich es überhaupt will. Lasst die Jugend ihre Musik hören. 

Für mich waren Blink-182 eben immer der Soundtrack für spaßige Tage und "I Miss You" der Song für Liebeskummer und ich liebe die Band dafür. Sie werden nie den Stellenwert von Nine Inch Nails erreichen, aber sie sind definitiv wichtig für mich und ich bin froh zu sehen, dass Pop-Punk nicht tot ist, sondern in den letzten Jahren ein echtes Revival erlebt hat. Mag ich die Musik? Nicht unbedingt, aber ich gönne der Jugend das Gefühl, das mir eben Blink-182 gegeben haben. 

Was haben die drei Mitglieder also geschafft? Tom DeLonge ist bis heute mein Lieblings-Pop-Punk-Sänger, macht jetzt ganz gute Musik, schreibt Bücher über UFOs und versucht die Regierung dazu zu bewegen, das auch zu tun. Er ist quasi der Fox Mulder des Pop-Punk. Und Box Car Racer ist wohl das geilste Nebenprojekt, was je eine Band hervorgebracht hat.

Mark Hoppus hat (vorerst) Krebs besiegt. Punkt. Nein, nicht Punkt. Er hat viele grandiose Songs geschrieben und gesungen und, ebenso wie Tom, einem gewissen Teil der damals jungen Menschen ein paar grandiose Songs beschert.

Travis Barker ist der wohl beste Drummer im Pop-Punk, hat Blink-182 von ihrem ersten miesen Trommler befreit und ist jetzt in beinahe in jedem aktuellen Pop-Punk-Musikvideo zu sehen, hat ein Label und fördert neue und alte Talente, wie Avril Lavigne. Er rettet also den Pop-Punk. Danke dafür.

 

Am Ende möchte ich nur eines sagen. Hört was ihr wollt.

Wenn ihr die aktuelle Besetzung mögt, dürft ihr Blink-182 natürlich feiern. Ich kann es nicht, aber vielleicht liegt das eben auch am Alter. So einflussreich wie damals wird die Band nie wieder sein und das ist auch okay so. Ich behalte sie so in Erinnerung und im Plattenregal, wie ich sie kennengelernt habe und nach wie vor liebe. Die Band hat Pop-Punk groß gemacht und war ein paar Jahre eine sehr wichtige Band. Sie hatten vielleicht nicht den Einfluss von Nirvana oder Metallica, aber das muss ja auch nicht sein. 

Mehr wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Hört die erwähnten Alben und hört mal bei Box Car Racer rein. Genießt Musik, hasst Nazis und liebt einander.

Herzlichst

ihr

[Franz] Jo[s]e[f Wagner]