Joes SovjetPlaza: Клет - "Алконавт (alconaut)"

Здравствуйте Genossen und Genossinnen. Herzlich Willkommen zu Joes SovjetPlaza, der Kolumne mit vermutlich nur einer Ausgabe, aber für ein Album wie „АЛКОНАВТ (alconaut)“ von Клет eine dringend notwendige, um die Schönheit des Sovjetwave-Genres zu zeigen.
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Ich liebe Vapor- und Synthwave und bin auch stets auf der Suche nach neuen Alben und Stilen. Das Genre des Sovjetwave ist mir dabei schon ab und an begegnet, jedoch hatte ich mir nie die Zeit genommen, in Ruhe reinzuhören. Das sollte sich mit „АЛКОНАВТ (alconaut)“ ändern. Ich bin in den letzten Monaten der DDR auf die Welt gekommen und meine Mutter ist aufgrund ihrer Arbeit sehr viel in der ehemaligen Sowjetunion unterwegs. Sie hat mir die Faszination, welche die Länder auf sie ausüben, ein Stück weit mitgegeben. Natürlich musste ich reinhören! 

Sovjetwave ist ein Subgenre des Synthwave und zeichnet sich durch einen ruhigeren Stil aus. Ist Synthwave prinzipiell ja eher Nostalgiemusik mit Bezug zum Miami der 80er-Jahre, ist Sovjetwave das kommunistische Gegenstück. Es ist meist etwas verträumter und behandelt Dinge wie das Leben in der UdSSR oder die Errungenschaften der ehemaligen Großmacht mit einer großen Portion Nostalgie. Jedoch finden sich auch Songs, die beispielsweise Probleme behandeln, welche der Zusammenbruch mit sich brachte.

Schon der Titel des Albums ist ein Spiel aus "Kosmonaut" - den Raumfahrern der Sowjetunion - und Alkoholismus, einem Problem, was in den Ländern der ehemaligen Union leider verbreitet ist. Клет zeigt Sonnen- und Schattenseiten bereits in den Titeln auf. So gibt es Songs mit Bezug zu Yuri Gagarin und Laika, dem ersten Menschen im Weltall und der berühmten Raumfahrthündin. Doch Titel wie „черное небо (black heaven)“ klingen eher nach den Folgen der Industrie. Es ist keine blinde, verklärte Version des Ostblocks, sondern eine persönliche Retrospektive auf die Höhen und Tiefen dieser Zeit.

Клет ist laut eigener Aussage in einem Ost-Block-Land geboren worden und hat dort auch einige Jahre gelebt. Das Album ist eine Hommage an die Errungenschaften des sowjetischen Raumfahrtprogramms, das Leben in der UdSSR und was folgte, als diese zusammenbrach. Die Songs sind teils melancholisch ruhig und teils auch treibend tanzbar, ohne dabei in den klassischen Synthwave-Kitsch abzudriften. Die Instrumentalisierung ist natürlich ähnlich und es sind eher Kleinigkeiten, welche die Unterschiede der Genres ausmachen. Zum einen ist da die unüberhörbare Melancholie und zum anderen wird im Sovjetwave weniger Wert auf basslastige Spaßmusik gelegt. Klanglich ähnelt es dem Hauptgenre in vielen Punkten, hat aber teilweise Lo-Fi-Einflüsse und klingt ein wenig kühler, ohne aber an Gefühl einzubüßen. Die Tracks eignen sich also weniger um „Drive“ neu zu vertonen, sondern eher, um teils triste Bilder von grauen Plattenbauten, Fabriken und der Tundra zu unterlegen, aber auch für Bilder der MIR oder von Sputnik in den endlosen Weiten des Alls. 

Endlos weit ist dabei ein gutes Stichwort, trifft es doch auch auf die Sowjetunion selbst zu. „АЛКОНАВТ (alconaut)“ klingt weit, immer ein wenig traurig und doch stark zugleich, ebenso wie der russische Professor, der vor Jahren bei meinen Eltern zu Hause abends seine Gitarre auspackte und melancholische Lieder sang, deren Text ich nicht verstand (weil ich damals in der Schule leider Französisch lernen musste) und doch fühlen konnte. Клет hat auf seinem Album auch keine Lyrics, abgesehen von einigen kurzen Snippets, und so bleibt immer Raum für die eigenen Gedanken, aber die Stimmung ist unverkennbar. 

„АЛКОНАВТ (alconaut)“  ist ein Album für ruhige Stunden und braucht auch Zeit um zu wirken, doch wenn der Himmel wolkenverhangen ist und die eigene Stimmung gerade eher ins Gräuliche abdriftet, ist Клет da, um dich auf eine Reise mitzunehmen. 

Vom ersten Ton an hat das Album eine wunderschöne Atmosphäre und lädt dazu ein, die Zeit ein paar Jahrzehnte zurückzudrehen. Für Menschen wie mich, die von der Sowjetunion mit all ihren Höhen und Tiefen fasziniert sind, dürfte „АЛКОНАВТ (alconaut)“ definitiv hörenswert sein, aber auch Fans des klassischen Synthwave haben hier die Chance, etwas Neues und Wunderschönes zu entdecken. 

Völker, hört die Lieder!
Auf zu Bandcamp und nicht zum Rave!
Denn АЛКОНАВТ von Клет,
bringt euch geilen Sovjetwave.