Keine Angst vor „Wolves“ - Rise Against erklingen in alter Stärke

Immer mehr Bands, welche man schon seit über einem Jahrzehnt kennt, haben sich dem jetzigen Musikzeitalter gebeugt. Sicherlich liegt der zwangsläufig geforderte kommerzielle Erfolg in vielen Fällen als Hauptgrund vor. Manche sind aber einfach nur alt geworden. Nichts dergleichen merkt man aber „Wolves“ an. Der erste Gedanke war: „Hier passt ja gar kein Song ins Radio.“ Doch was macht das Album so gut?
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Vorweggenommen: die Energie. Mit 38 Jahren sind beispielsweise viele Fußballer schon in Rente. Tim McIlrath schafft es sicherlich bis zum normalen Rentenalter. Klassiker wie „Hero of War“ oder „Savior“ wird man mit der Platte nicht toppen können. Stattdessen behält die Platte aber viel mehr Wut, Kraft und Aggression. Man könnte stellenweise fast von Speed-Punk sprechen. Die musikalische Ausrichtung vom Album lehnt sich definitiv gegen jede radiobekannte Musik. Ohrwürmer sind alleine den Rise Against Anhängern vorbehalten. Bei „The Violence“ konnte man schon leichte Tendenzen aus dem Album feststellen. Mit „House on Fire“ kamen bei manchen dann sicherlich so einige Bedenken hinzu. Als dann „Welcome to the Breakdown“ erwerbbar dazu kam, kam dann wieder eine musikalische Seite hinzu.

Diese drei Songs beschreiben auch das komplette Album: Vom Sound her klingt alles wunderbar passend. Die Songs greifen ineinander über und man erkennt schnell den Charakter der Platte. Angefangen beim Titeltrack und Opener „Wolves“. Hardcore-Punk trifft auf Melodie und klingt unglaublich gut. Das besondere Detail am Album ist die Freiheit, mit der die Songs daherkommen. Rise Against hat zudem unglaublich viel zu sagen. „Mourning in America“ oder auch „Bullshit“ beweisen dies. Die Direktheit der Band ist gerade hier stark zu spüren. Das Themenfeld ist auch beim neuen Album breit gefächert, während es aber kein Lied gibt, dass nicht durch die rohe Energie punkten könnte. Man merkt aber schnell, dass es mehr auf die Worte ankommt. Es gibt nicht viele musikalische Bridges und wenn doch, dann sind diese meist nicht von allzu langer Dauer.
 

Eben das ist aber auch eine Besonderheit von „Wolves“. Es gibt inhaltlich keinen roten Faden, was man von der Musik aber nicht behaupten kann. Man kann sich das Album mit Zufallswiedergabe anhören und denkt dennoch, dass jeder Song genau dann kommen muss. Nur „Miracle“ klingt wie der ideale Abschluss. Es klingt einfach, als ob man einen Wunsch für die Zukunft geschenkt bekommen hat. Das Lied prädestiniert erst, dass man auf eine Wendung noch warten muss, zeigt dann aber, dass man nur selbst das Wunder sein kann. Ein Beispiel für die monumentale Kraft des Albums bietet definitiv „Parts Per Million“. Gerade beim Refrain wird man durch die harten Gitarrenklänge umgehauen. Danach ruht sich der Sturm kurz aus, bevor er mit aller Macht wieder kommt.
 

Dass Punk auch persönliche Themen behandelt, zeigt definitiv „How Many Walls“. Rise Against hat nie ein Hehl daraus gemacht, wer sie sind und was sie denken. In vielen Texten stecken private Bezüge. Mit dem neuen Album werden die Texte ähnlich emotional bleiben, die Art und Weise der Musik verändert sich aber. Man spürt die Wut und den Hass, gerade hier. Durch verspielt schroffe Gitarren und einem schnellen Rhythmus kommen Gedanken der Band ganz anders an als früher. Deutlich lieber klingt dagegen „Far From Perfect“. Aber auch hier merkt man eine gewisse Dringlichkeit der Aussagen.

„Wolves“ schreitet also weiter auf den alten Wegen von Rise Against, erkennt aber, dass die Straßen deutlich steiniger geworden sind. Das gesamte Album beinhaltet womöglich keinen zukünftigen Partyhit. Es gibt auch keinen tiefemotionalen Song, welcher einem bei einer Trennung hilft. Es macht stattdessen einfach nur Spaß, „Wolves“ anzuhören. Es sind zwar leichte Tendenzen des Erwachsenwerdens erkennbar, gerade bei „Politics of Love“, doch diese helfen der Musik eher. Es ist möglicherweise das Album, welches es gerade vielleicht einfach geben muss.

Fazit

8.4
Wertung

Ich musste erst mit dem Album etwas warm werden. Danach lief es aber rauf und runter. Musikalisch ist es vielleicht nichts komplett neues, doch die Harmonie mit den Texten und gerade die Energie packen einfach. Es ist einfacher geworden, Rise Against zu sein. Zumindest klingt es so.

Ole Lange
7.8
Wertung

Endlich wieder ein gutes Rise Against Album! Nach dem dürftigen "Black Market" ist "Wolves" ein tolles Stück Punkrock mit ordentlich Speed und guten Texten. 

Lucio Waßill