Lucios Jahresrückblick 2020

2020 war insbesondere für die Musikbranche ein unglaublich beschissenes Jahr. Der so wichtige Festivalsommer fiel komplett aus, nur wenige Konzerte konnten überhaupt stattfinden. Dennoch gibt es nicht nur Lowlights, sondern auch Highlights in Lucios Jahresrückblick.
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Selten fiel es mir so schwer, ein Jahr Revue passieren zu lassen wie dieses verflixte 2020. Zum Glück machen wir dieses Fanzine hier tatsächlich unabhängig von irgendwelcher Kohle oder Verträgen und sind auf keine Werbeeinnahmen angewiesen, sonst hätten wir sicherlich nicht überlebt. Ich möchte daher direkt den ersten Absatz nutzen und dazu aufrufen, je nach Interesse bitte bitte eines der folgenden Magazine zu supporten, die tatsächlich die Gelder brauchen, also überlegt doch, ob ihr ein Abo an euch oder andere verschenkt:

Das famose Ox und das Fuze: https://www.ox-fanzine.de/

Das Visions: https://www.visions.de/magazin

PlasticBomb: https://www.plasticbombshop.de/index.php?language=de

 

Wie geht es dem AdW Fanzine Ende 2020?

Diese Frage kann ich direkt beantworten: Uns geht es insgesamt gut. Wie bereits erwähnt sind wir weitestgehend unabhängig von Geldern und leben lediglich vom "Humankapital" in der Redaktion. Zum Glück hatten wir bereits Ende 2019 die Weichen im Content-Bereich neu gestellt, um abseits des üblichen Fanzine-Inhalts in unseren Themenmonaten die Musikbranche mit einem Monatsthema genauer zu beleuchten. Dadurch hatten wir bereits strukturell und konzeptionell die Möglichkeit, schnell einen Themenmonat "Corona" zu organisieren und mit diversen Kolumnen und Podcasts den aktuellen Stand zu dokumentieren und es diesen Monat erneut zu tun. Dadurch konnten wir schnell dieses Gefühl von "Wir müssen dazu doch irgendetwas machen" und dem Aktivismus direkt eine Form geben. Mittlerweile haben wir mehr als ein Jahr hinter uns, in dem wir jeden Monat ein Thema genauer beleuchtet haben und ich bin so beeindruckt von dem Output aus der Redaktion, die alle ehrenamtlich so eine Qualität produzieren.

Natürlich gibt es noch eine Menge an Baustellen, an denen wir arbeiten und wo wir tolle Ideen noch mit Substanz unterlegen müssen, aber wir machen jeden Monat Fortschritte und das ist motivierend auch in diesen Zeiten. 

 

Lucios Album des Jahres

Auch wenn diverse Alben verschoben worden sind, gab es dieses Jahr wieder erstaunlich viele gute Platten, die es in meine Dauerrotation schafften. Sogar Die Ärzte haben eine neue Platte herausgebracht! Tatsächlich hat es einmal mehr wieder eine Band in meine Highlights geschafft, die fast automatisch mit jedem Release darin auftauchen. Mit ihrem Album "Veto" zu Beginn des Jahres (pop-)punkteten Radio Havanna sich zum ersten Platz in meinen Jahrescharts. Direkt dahinter finden sich wie alle zwei Jahre auch Tequila And The Sunrise Rang sowie die Donots in den Top 5 mit ein. Die anderen Plätze komplettieren Heaven Shall Burn und 100 Kilo Herz!

Lucios Konzert des Jahres

Dieses Jahr kann ich leider nicht so aus den Vollen schöpfen wie im vorherigen Konzertjahr. Die Dropkick Murphys zusammen mit Frank Turner spielten das letzte "richtige" große Konzert im Februar und das war leider eher musikalisches Mittelmaß. Von den "Corona"-Konzerten konnte ich zwei erleben, die zumindest einen Hauch des alten Feelings zurückbrachten. In Leipzig gab es ein schönes "Am-Platz-Konzert" von Radio Havanna im Sommer und auch das Open Air von Dritte Wahl in Halle war etwas besonderes. 

Mein eigentliches Highlight war aber einmal mehr ein kleiner Gig in der sächsischen Provinz in einem Jugendclub. Im kleinen Rosswein spielten Smile and Burn und Shoreline ein wunderschön intimes Konzert, von dem ich noch lange zehren sollte.

Lucios Neuentdeckung des Jahres

Es gab dieses Jahr wenige Bands, die ich komplett frisch gehört und direkt super gefunden habe. Vielmehr habe ich Bands, die ich vorher eher wenig gehört habe, häufiger gehört. Ein Debüt hat mich dieses Jahr dennoch begeistert: "Cool" von Schalko. Diese Scheibe passt einfach hervorragend in eine Zeit des Eskapismus' und liegt deshalb im Regal neben Lygo.

Lucios Emoalbum des Jahres

Letztes Jahr auf dem Uncle M Fest lieben gelernt, freute ich mich auf "Brave Faces Everyone" von Spanish Love Songs Anfang dieses Jahres. Ich hätte allerdings nicht für möglich gehalten, wie oft ich dieses Album tatsächlich spielen werde. Diese Platte ist eine dieser musikalischen Werke, die in Gänze gehört werden müssen, denn sie bieten diesen "Scheiße ja!"-Einstieg im Song "Routine Pain" innerhalb der ersten Minute und entlassen dich mit dem Titeltrack so aufgewühlt. Ich möchte daher meinen Jahresrückblick mit den letzten zwei Zeilen des Songs schließen:

We were never broken, life's just very long
Brave faces, everyone