Mertens Jahresrückblick 2019

Das Vorjahr war für mich als Hardcore- und Punk-Kiddo ein absolut brilliantes. 2019 ließ etwas auf sich warten. Die aktuellen Platten von Stray From The Path und Counterparts kamen spät. Dennoch findet keine der beiden hier Platz. Dafür aber jede Menge andere tolle Musik! Lest selbst.
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Das Jahr 2019 begann für mich mit der Fjørt-Tournee "Südwärts" im Januar. Ich besuchte zwar diesmal nicht die vollständige Tour, doch aber so viele Konzerte wie irgendmöglich. Ob eines davon mein Konzert des Jahres geworden ist? Die Auflösung gibt es weiter unten.
Es folgte ein heißer Festivalsommer und immer mal wieder Releases von Bands, die ich schon irgendwie auf dem Schirm hatte. Aber so richtige Kracher ließen auf sich Warten. Meine letzten beiden unangefochtenen Highlights waren "Holy Hell" von Architects und "Couleur" von Fjørt. Die spät im Jahr erscheinende Platte "Nothing Left To Love" von Counterparts war dann endlich ein Lichtblick im für mich eher magereren Musikjahr 2019. Dafür ein umso hellerer. Ob diese Platte es zum Album des Jahres geschafft hat? Das verrate ich euch jetzt.

Album des Jahres: Meine Platte des Jahres ist etwas für Leute aus meinem musikalischen Dunstkreis, Liebhaber und/oder Nerds im punk'schen Underground. "The Sleepwalk Transmissions" von We Never Learned To Live ist eine wunderbar post-hardcorige Platte über Kälte. Der rote Faden ist eine technisiert-technokratische Dystopie, in der sogar „Digi-Meds“, aber keinerlei emotionale Wärme ihren Platz finden. Ich finde es wirklich gruselig, wie greifbar das auf "The Sleepwalk Transmissions" gemacht wird. Vielleicht ist mein Album des Jahres aber auch einfach "Nine" von blink182.

We Never Learned To Live - Luma/Non Luma (OFFICIAL VIDEO)

Single des Jahres: Die Bedeutung von Singles verändert sich. Im US-amerikanischen Rapgame droppt man ein hottes Album und bringt dann Singles zu den Songs mit den meisten Klicks. Woanders bewirbt man sein neues Album mit mittlerweile bis zu vier Vorab-Singles. Und manche wollen am liebsten nur noch mit kleinen Releases und Singles arbeiten. Meine Single des Jahres war auch heißer Anwärter auf mein Feature des Jahres (s.u.): Travis Barker (blink182), Yungblud und Machine Gun Kelly haben sich mit ihrem Song „I Think I'm OKAY“ so penetrant in mein Ohr gebombt, dass ich um die Kür zur Single des Jahres nicht herumkomme. Die Gitarre spielt ein absolutes Legacy-Riff und Live zocken sie den Song auch schon mal drei Mal hintereinander. Das ist abgefahren, die Leute wollen das, das ist krasser als Macklemore, das ist meine Single 2019!  Vielleicht ist meine Single des Jahres aber auch einfach das cringy Tanzvideo zu "Darkside" von blink182.

Machine Gun Kelly, YUNGBLUD, Travis Barker - I Think I'm OKAY [Official Music Video]

Konzert des Jahres: Ich musste ein bisschen überlegen, um das Konzert des Jahres, dieses eine herausstehende Event, zu küren. Es gab tatsächliche drei Kandidaten und alle bestechen durch famose Facetten eines Konzerterlebnisses, das sich einbrennt. Aber es gibt eben doch nur einen Gewinner. Die Umstände waren fast perfekt: Lieblingsband, vergleichsweise kleiner, enger Laden, geile Vorband, Freunde auf der Bühne, nicht weit von zu Hause, richtig liebe Menschen mit am Start. Die Rede ist von Fjørt und I Saw Daylight im Bastardclub in Osnabrück. Heiliger Strohsack, war das eine Sauna. Absolut gigantisches Konzert und zweifelsohne in der Top 3 meiner Fjørt-Shows off all time (Stand 2019).

FJØRT - Südwärts (Live Official)

Lokalhelden des Jahres: An dieser Stelle mag man mir vorwerfen, ich würde Kategorien erfinden, um bestimmte Bands nennen zu können. Aber dann hätte ich mir sicher eine ausgefallenere Kategorie ausdenken mögen. Zum Beispiel „Band mit PoC des Jahres“. Hab ich aber nicht. Was ich aber immer habe ist eine starke Verbundenheit in die lokalen Bande der Musikschaffenden. Deshalb tragen in dieser Kategorie Shoreline mit ihrem absoluten Knalleralbum „Eat My Soul“ (und meinetwegen nicht nur die) die Krone davon. Diese Platte hat noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient!

Festivalact des Jahres: Ich war dieses Jahr auf vergleichweise wenigen Festivals unterwegs. Aber auch wenn ich Get The Shot (wildestes herumspringen und abgedroschene Karatemoves auf der Bühne und der Crowd) und Parkway Drive mit Bassisten im Rollstuhl gesehen habe, küre ich als meinen Festivalact des Jahres Enter Shikari mit ihrer Performance auf dem Open Flair Festival. So gern ich ihr aktuelles Album „The Spark“ mag, umso geflashter war ich von ihrem einstündigen Set aus ausschließlich Bangern: von alt bis neu wurde hier echt 60 Minuten nur Abriss (und Abriss ist der beste Riss, Zitat Fynn Kliemann) geliefert. Inklusive Gesichtsmaske aus Holyfarbe – über welche sich Bassist Chris nachträglich (mimimi) beklagte. Aber Enter Shikari passiert auf dem Flair immer was dummes. Letztes Mal stach Gitarrist Rory während des ersten Songs ein Halm eines Strohhutes im Moshpit ins Auge.
 

Feature des Jahres: Features sind im Ursprung glaube ich im Rap und Hip-Hop zu verorten. Rapper haben sich Freunde eingeladen und zusammen Alben gemacht. Mittlerweile gibt’s das auch im Punk und Hardcore immer mehr und ich liebe es. Gemeinsame Sachen machen macht doppelt Spaß. Mein Feature des Jahres kommt aber ganz klassisch aus dem Rap-Sektor und wird vor allem für die in meinem Empfinden Außergewöhnlichkeit des Featuregastes verliehen: Max Raabe auf Kummers Platte "Kiox" im Song „Der Rest meines Lebens“ hat mich wirklich überrascht. Aber es passt so wunderbar zusammen, ich bin hin und weg von dieser Stimme!

Mein Album-der-Woche-Moment des Jahres war die Sekunde, in der Moritz mich fragte, ob wir dann und dann den Podcast aufnehmen wollen. Und ich so: "Wie? Machen wir jetzt endlich Poddy?" Und Moritz so: "Ja, geht los jetzt!" Und ich so: Drölf Purzelbäume mit meinem Schreibtischstuhl rückwärts. Ich hoffe, ihr mögt den Podcast genauso gern, wie ich ihn mit Moritz aufnehme. Danke an euch alle, die ihr ihn hört!