„Wie viele Bohnen sind jetzt im Bandcatering?“ - im Gespräch mit Paul von Home Away From Home Booking

Das Telefon klingelt. Ein – zwei – drei Mal und eine außerordentlich nette Stimme begrüßt mich am anderen Ende der Leitung. Es ist Paul von Home Away From Home Booking. „Pünktlich wie die Maurer bist Du ja!“, begrüßt er mich scherzend.
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Paul studiert soziale Arbeit in Regensburg und betreibt das Booking von Bands als sehr intensives Hobby abseits des Studiums. Neben dem Buchen von Konzerten und Touren veranstaltet er selbst in Nürnberg und Regensburg eine Handvoll Konzerte und arbeitet zurzeit an einem Indoor-Festival in Nürnberg. Etliche Mails schreiben, Kontakte pflegen und das Netzwerk ausbauen, Routen Planen, Pläne schmieden, wieder umwerfen und neu schmieden – das macht ein Booker wie Paul.

Für seine Band A Saving Whisper hat er angefangen, das Booking zu übernehmen. Wie bei vielen Bands hat auch Paul mit seinen Jungs bei Null begonnen und sich hochgearbeitet. „Man muss es halt machen, wenn man Shows spielen will“, meint er. Da es schwierig war die entsprechenden Unterstützer zu finden, hat Paul das Booking einfach in die eigene Hand genommen, und das „hat sich dann auch gesund entwickelt“. Nach einigen erfolgreich gebuchten Touren kamen die ersten befreundeten Bands auf ihn zu und dies war die Geburtsstunde von Home Away From Home Booking. Eigene Mailadresse, Instagram- und Facebook-Kanal, Logo und Namen, fertig. Über die nun offizielle Anlaufstelle trudelten innerhalb des ersten Monats viele Anfragen von Bands ins Postfach ein. Nun blickt Paul auf zwei Jahre erfolgreiches Booking zurück. „Ich habe gerade wieder fünf Bands in der Pipeline und muss schauen, dass ich dann selber noch zum Mucke machen komme“, erzählt er. Viel zu tun also, aber mit Herz. „Es geht um alles andere als Kohle machen“, erläutert er seine Arbeitsphilosophie. „Ich sehe mich da eher als Kulturschaffender, weil es mir Spaß macht, mit den Bands und Veranstalter*innen in Kontakt zu sein und dadurch auch die Szene ein bisschen voran zu treiben und am Leben zu halten. Das beruht alles auf Handschlagbasis, das ist ein Geben und Nehmen.“

Aber wie werden Locations für Bands gebucht? „Im Optimalfall kennt man sich persönlich“, meint Paul. „Dann versuche ich, die Kontakte zu pflegen, über Mail oder Facebook. Und dann wird eben darüber gequatscht, wenn eine Anfrage kommt. Man bekommt relativ zeitnah eine Zu- oder Absage.“ Oft kennt man sich jedoch nicht direkt, also schreibt man eine Mail mit den Infos der Band. „Meist ist die Realität jedoch so, dass von 50 geschrieben Mails acht Absagen und vielleicht zwei Zusagen zurückkommen. Es ist manchmal frustrierend, aber das ist eben die Realität. Alle möchten ja spielen. Mails gehen in der Masse von Anfragen unter, weil man eben nebenbei noch andere Sachen macht.“

Eine gute Balance finden und mit Absagen umgehen können ist also wichtig. Aber was noch? Für Bands, die noch ganz in den Startlöchern stehen, gibt es tausende Fragezeichen. Antworten sind nur schwer zu finden. „Die Kunst ist, zuverlässig zu sein und die Leute mit einem gewissen Enthusiasmus von der eigenen Idee zu überzeugen, sie zu erinnern und dahinter zu sein, aber eben nicht die Schwelle zu übertreten, dass es ins Penetrante, ins Nervige übergeht. Irgendwann hat man eben auch keinen Bock mehr, mit jemandem zusammenzuarbeiten, weil fünf Mal am Tag geschrieben wird und so Fragen kommen wie: ‚Wie viele Bohnen sind jetzt im Bandcatering?‘ Du lachst, aber so Leute gibt’s, jetzt mal überspitzt gesagt.“

Zu Anfang hatte Paul wie viele andere auch keine Ahnung von all dem. So wichtig dieses Gebiet in der Branche ist, so paradox ist es, dass es mit Ausnahme der Selbsterfahrung keinen wirklichen Lehrer gibt. Das gute alte „Learning by Doing“ eben. Doch hat man den Dreh einmal raus, oder zumindest einen groben Überblick, kommen die ersten Erfolge.

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„Ich habe relativ früh gemerkt, dass mir sowas Spaß macht, dieses Vernetzen und ständig in Kontakt mit Leuten und Bands sein, eben alles was dazu gehört.“ Wenn mit einer Band ein Deal gemacht wird, dann sind das alles Handschläge, sagt Paul. Ab und zu macht man da auch schlechte Erfahrungen, aber auf Verträge in diesem Bereich sieht er lieber ab, da sonst eher eine „Business-Mentalität“ kommt und der DIY-Charakter verloren geht.

Und siehe da, es funktioniert. Eine großartige Mischung aus Zuverlässigkeit, Professionalität und freundschaftlichem Einverständnis. Schön, dass die Musikbranche dies zulässt. Man ist sofort per Du und das gibt es eben in kaum einer anderen Branche.

Im Bereich der Tour-Planung versucht Paul alles abzudecken und ein Gesamtpaket zu bieten. Von Route, über Promo, Übernachtung und Vorbands, einfach alles. Artworks kommen von der Band und über die Route wird eng kommuniziert. Meist in Deutschland unterwegs, hat Paul mittlerweile auch im europäischen Ausland Kontakte. Hier ist das Spiel mit den Mais ähnlich, man schreibt immer mehr, als man zurückbekommt. Durch das Booking erlebt man auch einige negative Sachen, zum Beispiel, dass eine Woche vor dem Tour-Start manchmal einige Termine wegbrechen. Vorbands sagen ab, Veranstalter machen einen Rückzug und dann sitzt man da. Unglückliche Vorkommnisse, doch hat man dann manchmal Glück im Unglück. Paul erzählt, dass er binnen zwei Tagen drei weitere Konzerte für eine Band organisiert hat und die Spontankonzerte die besten der Tour waren. Es bedarf also immer etwas Glück, damit solch ein großes Vorhaben wie eine Tour gelingt. Vom Haare raufen und auf den Tisch hauen zu „Ist ja noch mal gut gegangen“.

„Man versucht natürlich immer, eine Art Sicherheit zu haben, wenn man eine Band auf Tour schickt und dahinter steht“, räumt er ein. Aber bisher hat es immer funktioniert und daran muss man sich auch gewöhnen.“ Man braucht also eine gewisse Frusttoleranz, jedoch wächst man mit seinen Aufgaben und lernt durch die Erfahrung, auch wie man zum Beispiel Gagen aushandelt oder mit Absagen umgeht.

Und hier nun einige Tipps für Bands, damit zumindest eine Handvoll Fragezeichen verschwinden.

Ein Tipp sind Excel-Tabellen, um einen Überblick über das eigene Netzwerk zu behalten. Damit gewisse Abläufe einfach schnell gehen und man nicht immer kramen muss, woher man wen kennt oder wie wer heißt, ist die Tabelle unschlagbar. Ein weiter Tipp sind „geschriebene“ Mails. Copy-pasten kennt jeder, man will viel Zeug in kurzer Zeit schaffen, doch fällt dabei der persönliche Bezug hinten über. Es ist zwar nicht verkehrt, da es am Ende an der Musik liegt, ob diese ankommt oder nicht. Doch hat man direkt viel mehr Lust, einen Link anzuklicken, wenn man rauslesen kann, dass sich der Absender mit seiner vorherigen Arbeit beschäftigt hat. Wenn man einen persönlichen Bezug zu den Leuten hat, hat man direkt einen Fuß in der Tür und mehr Chancen gewählt zu werden, daher ist das Vernetzen das A und O. Tipp 3: Je mehr Promo-Material eine Band hat, desto besser, meint Paul. Videos, Fotos, Musik – viel hilft viel.

Mittlerweile ist Paul allerdings so gefragt, dass er manchmal nicht weiß, wo er die Zeit zur Planung hernehmen soll. Für einige Bands ist er zum festen Booker geworden, manchmal muss er schweren Herzens Bands absagen. Ein sehr zeitintensives Hobby eben, zumal er allein arbeitet. An Aufhören ist aber nicht zu denken, zu viel Leidenschaft und Herzblut hängen mit drin. „Ich erkenne ein Wachstum und habe zum Teil sogar Anfragen von Bands bekommen, die ich selbst gern höre. Ein größeres Kompliment gibt es nicht. Es ist ein frustrierender Job und ich kann verstehen, wenn man irgendwann die Reißleine zieht. Es ist eben viel Stress damit verbunden und manchmal nimmt man sich das zu sehr zu Herzen. Aber trotz des Zeitaufwands ist es ein Herzensprojekt und aufhören ist erst mal nicht. Wenn man zurück schaut, bleiben nämlich die positiven Erfahrungen und Erinnerungen hängen. Wie geil die Stimmung war, dass man es geschafft hat, Leute vor die Bühne zu bewegen und einen großartigen Abend auf die Beine gestellt hat."