Hintergrundbericht: Black Metal und NSBM

Black Metal ist wahrscheinlich das am meisten von Vorurteilen und Stigmatisierungen belastete Metalgenre, wenn nicht generell Musikgenre. Teils zu Recht. Als Subgenre gefürchtet, teilt sich Black Metal noch in weitere Unterkategorien auf. In diesem Hintergrundbericht soll es um das Subgenre National Socialist Black Metal (NSBM) gehen. Vorsicht, Triggerwarnung wegen Gewalt und Suizid!
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Das gröbere Genre Black Metal lässt sich musikalisch ähnlich einordnen wie Death Metal, besonders die gutturalen Schreie (Screams, Shouts und Growls) sind prägend für Black Metal, doch nicht exklusiv. Auch Blastbeats, Doublebass und relativ stumpfe Gitarrenriffs sind in anderen Subgenres vorzufinden. Was Black Metal musikalisch vom Death Metal unterscheidet, ist das fehlende Tieferstimmen der Gitarren. Viel wichtiger als die wenigen musikalischen Unterscheidungsmöglichkeiten sind die Texte und das gesamte, hauptsächlich von den Bands getragene Image der Szene. Diese sind ausschlaggebend für die Definition des Genres.

Black Metal kommt ursprünglich aus Skandinavien, genauer aus Schweden und Norwegen und hat sich seit den 80er-Jahren in Europa und vereinzelt in Nordamerika ausgebreitet. Frühe Strömungen gingen in Richtung des Satanismus und die Bezeichnung „Black Metal“ war auch ursprünglich für Bands aus dieser Sparte gedacht. Die gesamte Szene hatte den Ruf, viele Menschen mit rassistischen, nationalsozialistischen oder patriotischen Einstellungen zu vereinen. Besonders krass erkenntlich wird das allerdings, wenn man sich die Sparte des National Socialist Black Metal (NSBM) anschaut.

Wie der Name schon sagt, machen Anhänger*innen des NSBM kein Geheimnis aus ihrer politischen und sozialen Orientierung. Für Außenstehende wurde diese Orientierung schon früh deutlich, als besonders die durch Mitglieder der Szene durchgeführten Kirchenbrandstiftungen in Norwegen Aufmerksamkeit erlangten. Das nationalsozialistische Gedankengut wird mit der nordischen Mythologie unterfüttert, eine okkulte Vermischung von Ahnenverehrung und „Blut und Boden“-Ideologie findet statt.

Die Bands des Genres lieben offene Provokation, so etwa Mayhem. Deren Sänger Per Yngve „Dead“ Ohlen beging 1991 im Alter von 22 Jahren Suizid. Er hinterließ eine Notiz mit der Aufschrift „Entschuldigt all das Blut“ und wurde von seinem Bandkollegen „Euronymous“ fotografiert, der dieses Foto später leicht verfremdet als Albumcover verwendete. Knochensplitter des Toten ließ „Euronymous“ zu Amuletten umarbeiten. Weitere Auffälligkeiten der Band waren die Selbstverletzung der Bandmitglieder auf der Bühne, das Aufhängen von Hakenkreuzflaggen im Proberaum und das Tragen von Hakenkreuz-Armbinden. Die Band gibt es tatsächlich - ohne Gründungsmitglieder, mit Ausnahme des wieder eingestiegenen Bassisten „Necrobutcher“ - auch heute noch. Das 2019 erschienene Album „Daemon“ erhielt sogar recht gute Bewertungen und landete auf Platz 18 der deutschen Albumcharts.  

Ein weiteres besonders prägnantes Beispiel der Kriminalität und der widerwärtigen Gewaltbereitschaft in der Szene ist sicherlich Varg Vikernes, Begründer des Bandprojekts Burzum. Auch er war verbunden mit Mayhem und soll die Munition beschafft haben, mit der sich „Dead“ schließlich das Leben nahm. Vikernes ermordete 1993 den Mayhem-Gitarristen „Euronymous“, angeblich aus Notwehr, durch 23 Messerstiche. Ein Mayhem-Album, für das Vikernes den Bass eingespielt hatte, wurde Euronymous gewidmet, nachdem behauptet wurde, Vikernes‘ Basslines seien ersetzt worden.

Durch den Mord, Brandstiftung in drei norwegischen Kirchen und den Besitz von Waffen und Sprengstoff (mit welchem er angeblich das norwegische Parlament sprengen wollte) wurde Vikernes 1994 zu 21 Jahren Haft verurteilt. 1997 versuchte eine norwegische Gruppe Rechtsextremer ihn aus dem Gefängnis zu befreien, zur gleichen Zeit erschien ein Burzum-Shirt mit SS-Totenkopf und dem Aufdruck „Support Your Local Einsatzkommando“. 2009 wurde er auf Bewährung aus der Haft entlassen. Er wanderte nach Frankreich aus und verwirklichte sich auf YouTube, wo er seine rassistischen und vor Verschwörungstheorien triefenden Ansichten veröffentlichte – bis YouTube den Kanal 2019 wegen seine Hassreden sperrte.. Vikernes hat zudem 2011 das Manifest des rechtsterroristischen norwegischen Amokläufers Andreas Breivik erhalten, bei dessen Anschlägen am 22.7.2011 über 70 Menschen ihr Leben verloren.

Ein deutsches Beispiel für einen gewalttätigen „Künstler“ aus der NSBM-Szene ist Hendrik Möbus. Ganz nach seinem Vorbild Mayhem (und ähnlich zu verortenden Bands) ermordeten er und die anderen Mitglieder seiner Band „Absurd“ 1993 aus neonazistischen Motiven einen Mitschüler. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung 1998 gründete Möbus die „Deutsche Heidnische Front“ – nach einer Organisation von Varg Vikernes. Eine weitere Haft und mehrere umstrittene Handlungen später betreibt er heute ein Musiklabel sowie eine Konzertagentur. Er nennt sich Musikjournalist, seit 2017 singt er auch wieder in einer Neubesetzung seiner Band. Aktuell läuft ein Gerichtsverfahren gegen ihn, wegen dem Vertreiben von Propagandamitteln verfassungsfeindlicher Organisationen im Zusammenhang mit seinem Label.

In der Debatte um Black Metal und NSBM geht es eigentlich gar nicht mehr um die Frage, ob man Musik vom Künstler trennen sollte. Die Bands leben das, was sie predigen, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Sie machen auch keinen Halt vor Mord, gefährlicher Körperverletzung oder Brandstiftung. Der immer noch existente (und auch in den 2000ern größer gewordene) Hype um bspw. Mayhem und ihre Musik zeigt, dass Provokation, selbst wenn sie so widerwärtig und dramatisch passiert, bei vielen Menschen Anklang findet. Woran genau das liegt - an Sadismus, an Sensationsgeilheit oder schlichtweg am Teilen der Einstellungen - bleibt offen.