Die 8kids inszenieren auf "Denen die wir waren" bombastischen Hardcore-Pop

An ihrem brachialen Sound zwischen poppigen Melodien und emotionalem Posthardcore ändern die 8kids auch auf ihrem Debütalbum nichts. Damit besinnen sie sich weiter auf ihre Stärken.
8kidsalbumcover1500.jpg

Im letzten Jahr setzte das Darmstädter Trio mit seiner ersten EP „Dämonen“ einen beachtlichen Schritt. Die fünf Songs definierten bereits eine klare Vision: Aufreibend-harte Gitarrensphären, die in Kombination mit melodischen Hooks trotzdem eingängig bleiben. Dieses Rezept lebt die Band nun mit „Denen die wir waren“ auch auf Albumlänge aus. Bis auf wenige Ausbrüche funktionieren alle Tracks tatsächlich nach dem selben Schema. Diesen Umstand kaschiert die Band aber mit ihrem äußerst feinen Gespür für Melodieführung.  Die Klänge der Refrains sind teilweise wirklich ergreifend schön. Höhepunkt ist hier der Closer „Winter in dir“, in dem Drummerin Emma McLellan mit zerbrechlicher Stimme im Duett mit den berstenden Schreien von Frontmann Jonas Jakob singt. „Vis-à-vis“ ist dagegen eine gewaltige Gangshout-Hymne, mit „Zerbrechen“ hat es sogar ein brutaler Hardcore-Track auf die Platte geschafft.

Überhaupt ist die Produktion von „Denen die wir waren“ das vielleicht allumfassende Highlight. Die Soundwände der Band wirken so unheimlich gewaltig, jeder Klavierton erklingt wahnsinnig sanft und eindringend. Virtuose Musiker sind die 8kids definitiv nicht, ihre Stärke liegt vor allem in dem Schaffen einer dichten Atmosphäre. Dabei wirken die Werke der Band trotz aller Aufbauschung niemals billig oder zu sehr konstruiert.

Textlich muss die Band manchmal aufpassen, nicht zu sehr in die Melodramatik abzurutschen. Die Darmstädter wollen offensichtlich emotional und aufwühlend sein, bewegen sich dabei aber oft auf einem schmalen Grat zwischen Feinfühligkeit und Kitsch. Zum Glück schießt die Band hier nur mit „Bornsteinrand“ etwas zu weit übers Ziel hinaus. Ansonsten verstärken die Lyrics das Ziel der musikalischen Ausrichtung und erschaffen einen schmerzvollen Kosmos. Dabei weiß vor allem „Zeit“ mit geschickt konstruierten Worten zu bewegen.

So entsteht ein Werk, das mit der Kombination simpler Mittel zu überzeugen weiß. Die 8kids verstehen es sehr gut, mitreißende Soundsphären mit brachialer Inbrunst zu inszenieren. Das funktioniert auf dieser Platte außerordentlich gut – für die Zukunft muss sich die Band aber trotzdem die Frage der Weiterentwicklung offen halten.

Fazit

8
Wertung

Die 8kids haben bereits auf ihrem Debüt ihren Sound gefunden. "Denen die wir waren" stellt treffsicher genau die richtigen Grundpfeiler auf. Eine aufreibende und sehr wohlklingende Platte.

Jakob Uhlig
8.9
Wertung

Musikgewordene Emotion. Auf „Denen die wir waren“ wird da weiter gemacht, wo auf „Dämonen“ aufgehört wurde. Das Album legt den Finger in Wunden, von denen man dachte, dass es sie nicht mehr gibt. Zutiefst gerührt und berührt. Top!

Moritz Zelkowicz