Editorial Oktober 2021: Die 70er und die Musik

Erst vor kurzem haben wir einen Themenmonat zu den 60er-Jahren gemacht. Sollten die Abhandlungen zu einzelnen Jahrzehnten eine Tradition bei uns werden? Wir machen mit dieser Textreihe zu den 70ern mal den Anfang zur Regelmäßigkeit.
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Wie wahrscheinlich in jedem Team gibt es manchmal Punkte, an denen alles viel zu lange zu dauern scheint. Umgekehrt geht es dann auch manchmal verdammt schnell. Vor dem Themenmonat Oktober standen lange Zeit viele Fragezeichen: Unsere ursprünglichen Planungen wurden durch zahlreiche Interviewabsagen und Hiobsbotschaften torpediert und bis vor etwa zwei Wochen wussten wir noch gar nicht, wie der Oktober 2021 auf unserer Seite eigentlich zustande kommen sollte. Doch die Redaktion hat an dieser Stelle mal wieder ihre gnadenlos spontane Seite gezeigt: In nur wenigen Tagen haben wir einen ganzen Themenmonat zu den 70er-Jahren hochgezogen. Der hat mir gezeigt, was für ein aufregendes und ambitioniertes Jahrzehnt das eigentlich für die musikalische Popkultur war. Im Krautrock findet sich der vielleicht schillerndste Moment der deutschen Popgeschichte überhaupt. Konzeptalben, deren Relevanz ich im Streaming-Zeitalter schmerzlich vermisse, hatten in den 70ern ihren Höhepunkt. Sowieso passt es, dass wir uns im kommenden Kreuzverhör einmal Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" stellen wollen - diese Band hat nämlich seit dem letzten Pegasus Open Air eine sehr merkwürdige Kontroverse in der Redaktion ausgelöst, bei der wir uns einfach nicht einig werden. Aber ich versichere euch: Pur sind nicht besser als Pink Floyd! Statt dieser müßigen Frage sollten wir uns dann vielleicht noch lieber mit Abba beschäftigen, die erst jüngst ein Comeback verkündet hatten und denen wir auch einen Artikel in diesem Themenmonat widmen.

Auch darüber hinaus haben wir wieder einige musikalische Themen für euch: Bei "Unter dem Radar" ist in diesem Monat der Hamburger Künstler Chazz Luck, dessen neueste Tracks mit Referenzen zu Stevie Wonder oder Earth, Wind & Fire auch irgendwie einen 70er-Bezug verinnerlichen - ein Timing, das wir übrigens nicht geplant haben. An neuen Releases haben wir dazu einige Highlights dabei: Biffy Clyro scheinen die Pandemie-Zeit wirklich verdammt produktiv genutzt zu haben und veröffentlichen schon wieder eine neue Platte, nachdem die letzte gerade erst in unseren Ohren verhallt ist. Lygo sind für alldiejenigen da, denen in letzter Zeit zu wenig dreckiger deutscher Post-Hardcore erschienen ist (wo sind eigentlich Heisskalt, Fjørt und Konsorten gerade so?). Die neue Platte von Marteria dürfte wieder fragen lassen, was großflächiger Hip-Hop in Deutschland gerade kann. Every Time I Die ist zuzutrauen, wieder ein neues Hardcore-Wunderwerk zu vollbringen. Und ich persönlich freue mich aus etwas perfiden Gründen sehr auf das neue Tom-Morello-Album. Dessen Vorgänger "The Atlas Underground" war 2018 erschienen und zählte zu den grausamsten Veröffentlichungen des vergangenen Jahrzehnts. Wie der Nachfolger mit analogem Titel und Cover wird, kann ich noch nicht abschätzen. Der feuchte Traum eines jeden Boomer-Rockers in Form eines "Highway To Hell"-Covers mit Eddie Vedder und Bruce Springsteen (!) verspricht jedenfalls eine ganz andere Richtung - aber ist diese weniger grausig? Interessant wird es auf jeden Fall!

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und einen tollen Oktober!

Jakob für die Redaktion - gerade im Außeneinsatz in Bonn