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Die besten Platten 2018: Die Top 5 von Sarah

Mi, 26.12.2018 - 05:36
2018 neigt sich dem Ende zu und die Redaktion blickt noch einmal auf ihre Lieblingsplatten des Jahres zurück. Heute stellt euch Sarah ihre Schätze vor.

Obwohl 2018 einige ganz große Namen auf dem Release-Plan standen und ich große Erwartungen an zahlreiche Künstlerinnen und Künstler hatte, finden sich nur wenige der vermuteten Favoriten in meiner persönlichen Top 5 wieder. Einerseits ranken, wie bereits im letzten Jahr, deutschsprachige Alben weit oben, andererseits wurde ich von persönlichen Neuentdeckungen geradezu überrollt. Außerdem gab es Alben, die sich erst nach einigen Monaten oder mit einer vorübergehenden Hör-Pause einen Platz in meinen musikalischen Highlights erkämpfen konnten, während andere heiße Favoriten mit dem nötigen Abstand eher auf die Plätze 6 – 10 rutschten. Alles in allem bleibt das alljährliche Rekapitulieren und definitive Festlegen auf eine Top 5 eine beinahe unlösbare Aufgabe, die das musikliebende Herz jedoch jedes Mal höherschlagen lässt.

 

5. Zeal & Ardor – „Stranger Fruit“

Die Anfänge von Zeal & Ardor sind unbemerkt an mir vorübergegangen. Und auch „Stranger Fruit“ habe ich erst relativ spät bewusst wahrgenommen. Zuerst empfahl mir mein älterer Bruder das Album, der mich musikalisch schon von klein auf stark geprägt hat und bis heute regelmäßig meinen musikalischen Horizont erweitert. Als dann noch die Review meiner Kollegen überraschend gut ausfiel, beschloss ich, mich mit Zeal & Ardor ernsthaft auseinanderzusetzen. Die ungewohnte und mutige Verbindung von Gospel, Blues und Black Metal klingt wuchtig und ließ mich nach dem ersten Hören staunend zurück. Die verschiedenen Genre-Einflüsse vereinen sich zu beschwörenden Songs voll wütender Energie und quälender Ohnmacht.

Zeal & Ardor und „Stranger Fruit“: Blut auf den Blättern

Reviews
Über Manuel Gagneux‘ „Black Black Metal“ wurde seit „Devil Is Fine“ viel geredet und viel geschrieben. Wie weit der Weg von der Innovation bis zur Perfektion dennoch war, zeigt „Stranger Fruit“, ein verstörender Cocktail aus Metal und Gospel - und vielleicht sogar das Opus Magnum eines der spannendsten Künstler unserer Zeit.
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4. Tocotronic – „Die Unendlichkeit“

Bereits im Januar legten Tocotronic mit „Die Unendlichkeit“ einen Kickstart hin. Gedanklich hätte ich das Album beinahe im Jahr 2017 verbucht, weshalb ich kurzerhand noch einen Platz in der persönlichen Top 5 für die Hamburger Großmeister räumen musste. Dass ich von der Platte nicht enttäuscht werde, war vorhersehbar. Dass mich Album Nummer 12 allerdings noch einmal so begeistert, ist die wahre Überraschung, mit der auch nicht mehr gerechnet hatte. Berührend und aufwühlend, experimentell und doch authentisch erklingen die 16 Songs der Platte, die sich inhaltlich mit dem Leben vom Sänger Dirk von Lowtzow beschäftigen. Einziger Wehmutstropfen des Albums: Wie soll die Band das noch einmal überbieten?

3. Lygo – „Schwerkraft“

„Schwerkraft“ war in diesem Jahr das Album, dessen Release ich schon Wochen vorher fieberhaft herbeigesehnt hatte. Während mich die erste Single-Auskopplung „Nervenbündel“ noch eher fragend zurückließ, war spätestens mit „Festgefahren“ klar, dass da etwas Großes auf mich wartet. Verzweiflung, Schwermut und bitterböses Bilanzieren sind tonangebend auf einer Platte, die mich mit ungeheurer Schlagkraft aus der Bahn geworfen hat und gerade während der grauen Jahreszeit mit Vorsicht zu genießen ist.              

Lygo und „Schwerkraft“: Alles ist sowas von egal!

Reviews
Lygos neues Album „Schwerkraft“ wirkt wie die Energie, die dich beim Hören nach unten zieht. Kompromisslos und laut resümieren sie die Widrigkeiten des Lebens, jedoch ohne dabei vollends den Verstand zu verlieren.
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2. Deafheaven – „Ordinary Corrupt Human Love“

Deafheaven haben mich schlichtweg beeindruckt: Die Band bricht die Genregrenze des Black Metals auf und kreiert fließende Übergänge durch Alternative, Post-Rock und Shoegazing-Elemente, die gemeinsam zu einem eigenständigen Sound verschmelzen. Die Ästhetik der lyrisch anmutenden Texte, das sorgfältige Arrangement der einzelnen Lieder zu einer gewaltigen Gesamtkomposition, der Kontrast zwischen anmutigen Melodien und brachialen Scream-Parts und schließlich die Verbindung aus rührender Romantik und dunklen Sound-Gewittern macht „Ordinary Corrupt Human Love“ für mich zu einem atemberaubenden Kunstwerk, das mir sicher noch jahrelang eine Gänsehaut bescheren wird.

Deafheaven und „Ordinary Corrupt Human Love“: Einzug der Romantik

Reviews
Nach dem Erfolg von „Sunbather“ und „New Bermuda“ sind die Erwartungen an die Blackgaze-Band entsprechend hoch. Ob sie diese erfüllen können und warum Romantik und Kitsch nicht dasselbe sind, beantwortet „Ordinary Corrupt Human Love“.
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1. Karies – „Alice“                                                                         

„Alice“ ist der beste Beweis dafür, dass Musik Raum und Zeit zum Wachsen braucht. Umso öfter ich mir die Songs anhöre, desto mehr verliebe ich mich in das Album. Karies haben nicht nur als Band eine enorme Entwicklung vollzogen, auch das Genre Post-Punk haben sie auf eindrucksvolle Weise beflügelt. Besonders raffiniert ist die geradezu zersetzende Kraft der Musik, die sich unaufhaltsam ihren Weg zum Verstand bahnt und die durch den experimentellen, bunten Sound im ersten Moment beinahe unbemerkt bleibt. Die düstere Grundstimmung verdichtet sich durch einen hohen Beat-Anteil, zahlreiche NDW-Anleihen und vereinzelte Dream-Pop-Ausflüchte zu einem gewaltigen Album, das sich vor allem wegen seiner Unberechenbarkeit und der damit einhergehenden Unzähmbarkeit meinen persönlichen Platz Eins verdient hat.

Karies und „Alice“: Der Wolf im Schafspelz

Reviews
Mit „Alice“ veröffentlicht die vierköpfige Band aus Stuttgart einen wegweisenden Longplayer, der sich klar von den beiden vorherigen Platten emanzipiert. Vielseitiger und doch reduziert erschaffen Karies Post-Punk, der zwar lebhaft anmutet aber unbemerkt jede Hoffnung zersetzt.
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Neben den bereits genannten Alben sollen auch jene Beachtung finden, die den Einzug in meine persönliche Top 5 nur knapp verpasst haben. An dieser Stelle muss ich vor allem Die Nerven mit „Fake“ erwähnen, die zugegebenermaßen vor dem Release von „Alice“ als mein heimlicher Favorit galten. Donnokov sind als Post-Hardcore-Newcomer praktisch aus dem Nichts aufgetaucht und haben mich mit ihrer gleichnamigen Debüt-EP besonders beeindruckt, während ich mit der hohen Qualität von KMPFSPRTs „Gaijin“ und Heisskalts „Idylle“ bereits gerechnet hatte. Was Capitano zu Jahresbeginn fabriziert haben, weiß ich immer noch nicht recht einzuordnen, feststeht nur, dass sie mit „Hi!“ ein extravagantes und vor allem tanzbares Debüt-Album produziert haben.